Studio 1 Enzyklopädie
Soziologie
Prof. Dr. Günter Burkart
Eine Einführung ins soziologische Denken
Inhalt
- Was ist Soziologie? Was ist soziologisches Denken?
- Ein Streifzug durch die Geschichte der Soziologie
- Soz. Grundbegriffe I: Soziales Handeln, Sinn, Interaktion, Natur und Kultur
- Soz. Grundbegriffe II: Normen und Werte; Institution und Institutionalisierung
- Soz. Grundbegriffe III: Macht und Herrschaft, Legitimität
- Soziologische Grundbegriffe IV: Tausch, Austausch
- Soziologische Mikro-Theorien (Handlungstheorien)
- Soziale Ungleichheit; Klassen, Schichten, Milieus
- Modernisierungstheorie; Moderne Gesellschaft, Postmoderne
- Theorie funktionaler Differenzierung und Systemtheorie
- Individualisierungstheorie
- Postindustrielle Gesellschaft, Informationsgesellschaft
- Literatur
1. Was ist Soziologie? Was ist soziologisches Denken?
Was ist Soziologie? Ich habe die Beantwortung dieser Frage früher oft mit dem Hinweis auf den Gegenstandsbereich versucht: Wovon handelt, womit beschäftigt sich die Soziologie? Die Antwort: Mit dem Zusammenleben der Menschen, mit ihren Interaktionen, mit ihren Institutionen. Aber das ist natürlich noch sehr allgemein. Man kann dies dann konkretisieren mit dem Hinweis auf die empirische Forschung - und einige Beispiele für soziologische Studien nennen:
- Arbeitslosigkeit
- Studienabbrecher
- Alleinerziehende Mütter
- Die Folgen der Automatisierung für die Industriearbeiter usw.
So entsteht leicht der Eindruck, die Soziologie hätte es vor allem mit sozialen Problemen zu tun. Das ist ja nicht ganz falsch. Besonders in den USA hat sich die Soziologie vor allem durch die Beschäftigung mit sozialen Problemen Anerkennung verschafft.
In Europa, insbesondere in Deutschland, versucht man dagegen lieber, die Eigenheiten und die Notwendigkeit der Soziologie mit dem Hinweis auf Theorie zu begründen. Soziologie ist eine bestimmte Art von theoretischer Betrachtung - und zwar, anders als die meisten anderen Sozialwissenschaften versucht die soziologische Theorie, die ganze Gesellschaft im Auge zu behalten, nicht nur die Wirtschaft (wie die Ökonomie), nicht nur das Recht (wie die Rechtswiss.), nicht nur die Bildung (wie die Pädagogik), nicht nur den einzelnen Menschen (wie die Psychologie). Insofern betrachtet sich die Soziologie gern auch als die wahre Nachfolgerin der Philosophie.
Aber was heißt nun soziologische Theorie? Wie soll man diesen Wirrwarr von Theorie-Bezeichnungen vernünftig systematisieren? Da gibt es ja unzählige "Theorien": Handlungs-, System-, Gesellschaftstheorie - Funktionalismus, Interaktionismus, Rollentheorie, interpretative Soziologie, ... Diese Theorien sind oft sehr abstrakt - und sie sind eher Meta-Theorien als Objekt-Theorien.
In welcher Art von Gesellschaft leben wir eigentlich?
Erfolgreich in der Öffentlichkeit war und ist die Soziologie besonders mit ihren Zeitdiagnosen, Gegenwartsdiagnosen. Diese antworten auf die Frage: In was für einer Art von Gesellschaft leben wir eigentlich? Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft?
Da gibt es immer wieder neue Angebote. Eine kleine Auswahl aus den letzten drei Jahrzehnten: Spätkapitalismus, Industriegesellschaft, Moderne, Postmoderne; Leistungsgesellschaft; Postindustrielle Gesellschaft, Dienstleistungsgesellschaft, Wissens- und Informationsgesellschaft; Erlebnisgesellschaft; Risikogesellschaft.
- Pongs, Armin (1999): In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich? Gesellschaftskonzepte im Vergleich, Band 1. München: Dilemma
- In diesem Buch finden sich kurze Portraits von zeitgenössischen Gesellschaftsdiagnosen, mit Interviews von Vertretern dieser Theorien, u.a.: Funktional differenzierte Gesellschaft, Arbeitsgesellschaft, postindustrielle
Gesellschaft, Riskogesellschaft, Bürgergesellschaft, multikulturelle
Gesellschaft, Erlebnisgesellschaft
Übrigens sagt die Soziologie gern auch, daß sie nicht normativ sein will, sondern nur analytisch. Das heißt, sie will zwar zutreffend feststellen, wie und wohin sich die Gesellschaft entwickelt, aber sie will das nicht bewerten, will nicht sagen, ob das eine gute oder schlechte Entwicklung ist.
Eine Definition:
Soziologie ist die Wissenschaft vom Sozialen, d.h. den verschiedenen Formen der Vergemeinschaftung (z.B. Familie, Verwandtschaft/Sippe, Nachbarschaft, soziale Gruppe) und der Vergesellschaftung (Organisation, Gesellschaft, Staat) der Menschen; sie fragt nach den Strukturen des sozialen Handelns und der sozialen Gebilde und welchem sozialen Wandel diese unterliegen. Die S. zählt zu den Geisteswissenschaften bzw. Sozialwissenschaften. Der Begriff S. ist ein Kunstwort, das sich aus lat. socius (der Gefährte i.w.S. Mitmensch) und gr. logos (Wort, Wahrheit, i.w.S. Wissenschaft) zusammengesetzt. Es findet sich seit 1838 in Schriften von Auguste Comte (1798-1857), einem bedeutenden Vorläufer der S. als Einzelwissenschaft. Der Begriff S. ersetzte nach und nach ältere Bezeichnungen, z.B. physique sociale ("soziale Physik"), die davon ausging, das Soziale ließe sich in Analogie zu der großen Vorbildwissenschaft Physik untersuchen: exakt und mit der Möglichkeit der Prognose und Planung einzelner (sozialer) Elemente, Zustände und Verhaltensweisen.
Quelle: Schäfers, Bernhard (Hrsg.): Grundbegriffe der Soziologie. UTB
Was ist soziologisches Denken?
Man kann die Soziologie aber auch charakterisieren, indem man ihr eine besondere Denkweise zuschreibt. Dadurch grenzt sie sich von anderen Sozialwissenschaften ab und kann auch damit ihre Eigenständigkeit rechtfertigen. Die Soziologie hat von Anfang an einen eigenständigen Gegenstandsbereich und eine eigenständige Zugriffsweise auf die soziale Welt beansprucht. Sie sagt nicht, daß ihre Zugriffsweise besser ist als die der Psychologie oder Ökonomie, sondern nur, daß damit andere Aspekte der Wirklichkeit beleuchtet werden. Was unterscheidet die soziologische Denkweise von der psychologischen, ökonomischen, biologischen, pädagogischen, anthropologisch-philosophischen Denkweise?
Beispiele für die soziologische Perspektive
Kriminalität
| Fachgebiet | Vertreter | Perspektive | |
|---|---|---|---|
| Biologie | Kriminalität ist angeboren - genetische, hormonelle Ursachen | ||
| Psychologie | Motive des Täters, Charakter, Kindheitserlebnisse | ||
| Soziologie | Durkheim/Merton | Anomie, Devianz Legitime Ziele, illegitime Ziele | |
| Subkultur (Kriminalität wird gelernt) | |||
| Labeling approach | Etikettierung, Stigmatisierung | ||
| Konstruktivismus | Kriminaltät ist keine natürliche Ursache, sondern soziales Konstrukt |
Technik
| Naturwissenschaften | Technische Definition (z. B. Physikalische Funktion) | |
|---|---|---|
| Soziologie, Kulturwissenschaften | Sozialer Gebrauch, Kulturbedeutung | |
| Sowi: Technikdeterminismus | Technische Möglichkeiten bestimmen soziale Bedeutung | |
| Sowi: Kulturdeterminismus | Kulturelle Visionen bestimmen Gebrauch und erzeugen Technik | |
| Technik als Vergesellschaftungsform | Mensch = Maschine |
Geschlecht
| Biologie | biologisches Geschlecht (sex) | Chromosomen, Hormone, Morphologie | Natur (sex) | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Psychologie | psychisches Geschlecht (G.Identität) | Gefühl (Identifikation) | Sozialisation | ||
| Soziologie | soziales G. (gen-der) Geschlechtsrolle | Erwartung (Normalität) und Sanktion | Sozialisation (Erwerb von Normen und Werten) | ||
| Konstruktivismus | doing gender | soziale Konstruktion | |||
|
|
|||||
Bisher wurde das "soziologische Denken" vor allem im Unterschied zum "Denken" in anderen wissenschaftlichen Disziplinen betrachtet. Nun geht es um das Spezifische des soziologischen im Unterschied zum alltäglichen Denken. Denn der Gegenstand der Soziologie ist ja häufig nichts anderes als das, was wir auch als Alltagsmenschen erleben, wissen, interpretieren und tun. Für manche Soziologen unterscheiden sich in der Tat das soziologische Denken und das Alltagsdenken nicht grundsätzlich, sondern nur in der Einstellung zur Welt: Als Wissenschaftler können wir die soziale Welt handlungsentlastet betrachten, während wir als Gesellschaftsmitglieder normalerweise sofort entscheiden müssen, wie die Situation, in der wir uns gerade befinden, definiert ist, und was wir als nächstes tun. Als Handelnde stehen wir unter Zeitdruck und Handlungszwang.
Dabei hilft uns normalerweise, daß uns die soziale Welt, in der wir agieren, als unproblemati-sierte Tatsache erscheint, als sachhafte Gegebenheit ("Sachzwang"), als quasi naturhafte Wirklichkeit, als äußerlich vorgegebene Wirklichkeit, die uns unabhängig von unserem Wollen und unseren Absichten entgegentritt. So wie die Sonne unvermeidlich auf- und untergeht, so scheinen auch viele Tatsachen der sozialen Welt unvermeidlich und schicksalhaft. Diese sozialen Tatsachen kann die Soziologie beschreiben und in gewissem Maß auch erklären. Und doch handelt es sich hier um eine andere Wirklichkeit als bei der Wirklichkeit der physikalischen Welt. Die objektive soziale Welt, die uns wie eine Naturgegebenheit entgegentritt, ist eine Wirklichkeit, die von Menschen geschaffen wurde und die deshalb im Prinzip auch veränderbar ist - also nicht Schicksal, also nicht "Natur".
Die soziale Wirklichkeit, wie wir sie im Alltag oft als unabänderlich erfahren - also zum Beispiel Erfahrungen von Macht und Ohnmacht, von Ungleichheiten und Unterschieden, von Sachzwang und Notwendigkeit - diese Wirklichkeit hat sich durch das Handeln zwischen Menschen, also durch Interaktionen, herausgebildet.
Diese Handlungen, diese Interaktionen, können sich jedoch erst dann zu sozialen Tatsachen verfestigen - "objektivieren" -, wenn sie auch mit Sinn und Bedeutung aufgeladen werden. Sie sind deshalb nicht einfach Tatsachen, sondern sie sind soziale Konstruktionen. "Soziale Konstruktionen" sind jedoch nicht einfach willkürliche gedankliche Konstrukte. Sie sind handlungswirksame und handlungsleitende Konstruktionen. "If men define situations als real, they are real in their consequences" - so das sogenannte Thomas-Theorem. Das heißt, es kommt darauf an, wie eine soziale Situation definiert wird - je nachdem, wie das geschieht, sind die Konsequenzen für das soziale Leben unterschiedlich. (Definition der Situation). Ein harmloses Beispiel: Ist die "Love Parade" in Berlin eine politische Veranstaltung oder eine Unterhaltungsshow? Die Konsequenzen dieser unterschiedlichen Definition betreffen nicht nur das Selbstverständnis der Teilnehmer und die Berichterstattung in den Medien, sondern auch die Frage, ob die Berliner Stadtreinigung den Müll, der zurückbleibt, auf Kosten der Allgemeinheit beseitigt oder dies den Veranstaltern in Rechnung stellt.
Daran sieht man auch, wie wichtig es ist, wer die Kompetenz zur Definition gesellschaftlicher Wirklichkeit hat.
Und hinter dieser Definitionsmacht steht wiederum ein soziales Wissen. "Wissen ist Macht" (u.a. Lenin). Die Definitionsmacht über soziale Wirklichkeit greift auf Wissen zurück, man könnte auch sagen: sie greift auf Alltagstheorien zurück. Die Gesellschaftsmitglieder verfügen also - auch ohne Soziologie zu studieren - über soziale Theorien - und diese setzen sie ein, um in die gesellschaftliche Wirklichkeit steuernd einzugreifen.
Hinter jedem Handeln steckt in gewisser Weise also eine Theorie über die soziale Welt, eine Alltagstheorie allerdings, die meist nicht die Form von dem hat, was die Wissenschaft mit "Theorie" meint. Doch der Unterschied zwischen "sozialer" und "soziologischer" Theorie ist häufig nur der, daß die soziologische, also die wissenschaftliche Theorie in eine bestimmte Form gebracht wird - zum Beispiel in ein formales Aussagesystem, und daß es bestimmte Methoden gibt, diese Theorien zu überprüfen.
Die soziologischen Theorien, das "soziologische Denken" sind also - ganz im Unterschied etwa zu den Theorien der Physik oder der Chemie - aus dem sozialen Handeln heraus entstanden. Die Soziologen sind auch als Wissenschaftler immer ein Teil dessen, was sie selbst untersuchen, sie können nur mit gewissen Schwierigkeiten in eine Distanz zur sozialen Welt treten, in eine Distanz, die es ihnen ermöglichen würde, die soziale Welt ganz von außen zu betrachten. Und diese Distanz darf auch gar nicht zu groß werden - sonst befindet man sich als Soziologe in der selben Situation wie der Ethnologe, der eine ihm völlig fremde Kultur entdeckt und - buchstäblich - nichts versteht.
Andererseits darf die Soziologie auch nicht völlig distanzlos aus dem sozialen Handeln heraus ihre Theorien entwerfen - sonst hätte sie ja nichts anderes zu sagen als der berühmte "Mann von der Straße".
In diesem Dilemma befindet sich die Soziologie - eigentlich: alle Sozialwissenschaften - grundsätzlich: Zuviel Distanz zur sozialen Welt führt zu sinnlosen Theorien - zuwenig Distanz führt zur Sinnlosigkeit des eigenen Tuns, denn dann braucht man keine Soziologen mehr, weil alle Gesellschaftsmitglieder dasselbe wüßten.
Das Dilemma läßt sich auch noch anders formulieren: Soll die Soziologie immer das an Deutungen und Interpretationen übernehmen, was die Menschen im Alltag selber wissen? (Das tut zum Beispiel zu einem großen Teil die Umfrageforschung, die Meinungsforschung) Oder soll die Soziologie Theorien entwickeln, die sich geradezu im Widerspruch zur Alltagstheorie befinden? Theorien also, wo der Stammtischbürger gewöhnlich sagen würde: "Die spinnen, die Soziologen".
Ich glaube grundsätzlich, wir müssen eher das zweite tun. Und das, was man "soziologische Aufklärung" nennt, besteht dann darin, Überzeugungsarbeit zu leisten und auch den Mann oder die Frau am Stammtisch mit unseren Theorien konfrontieren. Das geht nur durch Popularisierung, aber setzt auch voraus, daß wir die Stammtischmeinung ernst nehmen - nämlich als das, was sie ist: eine soziale Tatsache: "If men define ..."
Es gibt eben verschiedene soziale Wirklichkeiten - je nachdem, wie diese Wirklichkeit interpretiert wird. Und unsere Aufgabe ist es, diese verschiedenen Wirklichkeiten anzuerkennen, aber auch, die unterschiedlichen Konsequenzen dieser verschiedenen Wirklichkeiten aufzuzeigen. Und das bedeutet letztlich: Die Selbstverständlichkeiten, das Quasi-Naturhafte, was im Alltagsdenken liegt, zu "hinterfragen", zu problematisieren - und immer wieder zu zeigen: Es könnte auch ganz anders sein ("Kontingenz" - als Gegensatz von Notwendigkeit oder Schicksalhaftigkeit).
Das soziologische Denken versucht, die Wirklichkeit durch "Verfremdung" besser verständlich zu machen. Verfremdung des Vertrauten.
Das menschliche Handeln, die menschliche Praxis funktioniert in gewisser Weise wie der Tau-sendfüssler: Würde er darüber nachdenken, wie sein Gehen funktioniert, würde er sofort ins Stolpern geraten. Würde der Mensch im Alltag ständig darüber nachdenken, warum und wie er was macht, würde er nicht mehr handeln können. Die Soziologie stellt jedoch genau diese Fragen...
Ich kann das verdeutlichen auch an der empirischen Forschung, der qualitativen Forschung, das heißt jener sozialwissenschaftlichen Forschung, die sich nicht mit Zahlen und Meßwerten beschäftigt, sondern deren Datenmaterial Texte sind. Texte, die verstanden werden müssen, Texte also, die interpretiert werden müssen. Beispiel:
"Für die, die später gekommen sind..."
"... ich hab mir da auch diesen xy-Katalog mir zugelegt und durchgelesen..." Was bedeutet dieser Text?
Einige grundlegende Ziele der Soziologie
a) Handlungsbedingungen.
Man will erklären bzw. "verstehen": Warum handelt jemand so und nicht anders unter gegebenen Bedingungen? Warum wählt jemand gerade diese und keine andere Handlungsoption? Motive und Gründe; soziale Ursachen.
b) Aufdeckung von Tiefenstrukturen des Handelns; von Sinn, der hinter unserem Handeln verborgen ist; von den grundlegenden Selbstverständlichkeiten, die unserem Handeln zugrundelie
gen, die wir normalerweise nicht bemerken. Man könnte auch sagen: es geht der Soziologie um das Aufspüren des "sozialen Unbewußten" oder des "kollektiven Unbewußten". Oder auch so ausgedrückt: um die Aufdeckung von Strukturen, die das Handeln der einzelnen "determinie
ren" - oder Regeln, die unser Verhalten steuern...
"Homo sociologicus"
Einwand: Wo bleibt da die Willens-, Handlungs-, Entscheidungsfreiheit?
"Homo oeconomicus"
c) Kollektiven Folgen von individuellen Handlungen - nicht intendierte Handlungsfolgen.
Hartmut Esser (1993: 19ff.) hebt drei Aspekte hervor, die den spezifischen Gegenstand der So
ziologie ausmachen:
1) Durkheims "soziologische Tatbestände", 2) "nicht-logische Handlungen" (Vilfredo Pareto, 1848-1923), 3) nichtintendierte Handlungsfolgen, unbeabsichtigte Folgen zielgerichteter (inten-tionaler) Handlungen.
Anders gesagt: Wie entstehen aus individuellen Handlungen objektive soziale Strukturen? Oder: "Wie ist es möglich, daß menschliches Handeln eine Welt von Sachen hervorbringt?" (Berger/Luckmann 1969: 20) "Und wie ist es möglich, daß sich diese Welt von Sachen im Handeln reproduziert und wandelt?"
Mit einigen Beispielen erläutert Esser dann, was das bedeutet. Am Beispiel der Ehescheidungen läßt sich zeigen, daß der Anstieg der Scheidungsraten sich nicht erklären läßt, wenn man nur das individuelle Handeln (bzw. individuelle Scheidungsgründe) berücksichtigt. Der Anstieg der Scheidungsraten ist bis zu einem gewissen Grad das Ergebnis von Prozessen, die von den Individuen weder beabsichtigt war noch von ihnen kontrolliert werden können. Zum Beispiel führt eine wachsende Zahl von Scheidungen dazu, daß das Scheidungsrisiko weiter wächst, weil nun mehr Geschiedene wieder auf den Heiratsmarkt drängen ("Scheidungs-Wiederverheiratungs-Spirale").
d) "Kontingenz" - d.h. es könnte auch anders sein.
Methode: Historische und kulturvergleichende Perspektive
Dahinter steckt die Vorstellung, daß "Gesellschaft" immer kontingent ist, das heißt: Es gibt keine universellen Gesetze...
Das führt auch zum nächsten Punkt:
Quelle: Prof. Dr. Günter Burkart, Universität Lüneburg
Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier .
Technische Übersetzung Technischer Übersetzer Deutsch Englisch
Übersetzer Deutsch Französisch Vertrag Patent Zeugnis Urkunde
Medizinische Übersetzung Spanisch Medizintechnik Deutsch Spanisch
Übersetzung wissenschaftlicher Texte Übersetzer Deutsch Portugiesisch
Übersetzungsbüro Deutsch Italienisch Übersetzung für Marketing & Werbung
Webseiten Übersetzung Schwedisch Software-Übersetzer Deutsch Schwedisch
Technische Übersetzung Deutsch Dänisch Technischer Übersetzer Dänisch
Übersetzer Deutsch Norwegisch Übersetzung Deutsch Norwegisch
Webseiten Übersetzung Finnisch Software-Übersetzer Deutsch Finnisch
| Umfrage |
|---|
| Unter welchen Stichworten haben Sie uns im Internet gefunden? Senden Sie uns einfach eine Nachricht an die unten angegebene Adresse. Vielen Dank. |
| soziologie, soziologische theorie, einführung, soziologische klassiker, soziologische Grundbegriffe, Soziales Handeln, Sinn, Interaktion, Natur, Kultur, Normen, Werte, Institution, Institutionalisierung, studium, gesellschaftswissenschaften, Macht, Herrschaft, Legitimität, soziale ungleichheit, klassen, schichten, milieus, austausch, tausch, modernisierungstheorie, Moderne Gesellschaft, Postmoderne, Theorie, funktionale Differenzierung, Systemtheorie, Individualisierungstheorie, postindustrielle Gesellschaft, Informationsgesellschaft |
| Ihre Nachricht: umfrage-at-studio1solutions.com |
